Was anziehen fürs Fotoshooting in Pattaya: Farbe und Silhouette

Ein Paar bucht ein Shooting zum Sonnenuntergang am Meer. Sie wählt ein türkisfarbenes Kleid — ihr Lieblingsstück, passend zum „Meer-Thema”. Zur goldenen Stunde am Wasser erweisen sich Türkis und Meer als ein und dieselbe Farbe, und auf den Bildern löst sie sich zur Hälfte in den Hintergrund auf: das Auge verliert ihre Figur und bleibt am weißen Hemd ihres Partners daneben hängen. Das Kleid ist schön. In diesem Bild arbeitet es gegen sie.

Kleidung beim Shooting wirkt als Kompositionselement, gleichrangig mit Licht und Hintergrund. Hinter ihrer Wirkung steht nicht der Geschmack, sondern eine funktionierende Wahrnehmungstheorie — das visuelle Gewicht bei Arnheim, die Farbe bei Itten, die Physiologie des Sehens; im Folgenden kommt sie ohne Vorlesungen, gleich hinein in die Wahl von Kleid und Farbe. Kleidung entscheidet zwei Dinge: mit welcher Masse ein Mensch im Bild steht und wie er sich von dem abhebt, was hinter ihm liegt. Das Erste ist die Silhouette, das Zweite die Farbe.

Silhouette: mit welcher Masse Sie im Bild stehen

Das Auge liest Kleidung als Form, und eine Form hat Gewicht — im wörtlichen Sinn, so wie Rudolf Arnheim es in seiner Analyse der visuellen Wahrnehmung beschrieben hat. Eine kompakte, symmetrische, um ihr Zentrum versammelte Masse wirkt schwerer; eine gestreckte, aufgelockerte wirkt leichter. Darauf beruhen die Kleidungsgriffe, die eine Figur strecken.

Die lange Linie. Ein langes Kleid zieht die Figur in die Vertikale und nimmt die horizontalen Brüche der Silhouette heraus. Beim Shooting verstärkt langer, fließender Stoff das — ein Schleier, eine Stoffbahn, eine Schleppe. Hier kommt Kandinsky ins Spiel: eine Linie im Bild trägt Richtung und Bewegung, und fließender Stoff baut die Vertikale und die Dynamik auf, die einer statischen Pose fehlen.

Die fülligere Figur. Hier wirkt die lange Linie am stärksten. Rubensfiguren fotografiert man am besten im bodenlangen Kleid, und je länger der Überwurf oder Schleier, desto besser: langer, fließender Stoff bricht das Volumen des Körpers auf und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Eine kurze, enge Silhouette tut das Gegenteil.

Farbe gegen den Hintergrund

Die Farbe der Kleidung wird immer gegen das gelesen, was dahinter liegt. Und hier steht eine Entscheidung zuerst, von der das Übrige abhängt: ist der Hintergrund eine Lichtquelle oder nur eine Kulisse?

Hintergrund als Licht. Sonnenuntergang und ein beleuchteter Tempel geben keine farbige Kulisse, sondern farbiges Licht — eine andere Physik, die additive Mischung des Lichts gegen die subtraktive des gefärbten Stoffs. Der warme Ton ergießt sich über den Menschen und steht im ganzen Bild auf einmal. Dagegen lässt sich in der Bearbeitung nicht ankommen: der Weißabgleich korrigiert nur entlang zweier Achsen, und kleidet man sich kühl gegen warmes Licht, versinken Blau und Hellblau im Schlamm, und sie zurückzuholen hieße, das ganze warme Bild zu zerstören. Deshalb kleidet man sich unter Sonnenuntergang und Tempelbeleuchtung (etwa beim Sanctuary of Truth) nach dem Licht, in Warmtöne: Schwarz, Weiß, Rot und Gelb halten, Blau, Hellblau und Grün nicht.

Hintergrund als Kulisse. Himmel, Meer und Grün unter neutralem Tageslicht ergießen keine Farbe auf den Menschen — sie stehen nur hinter ihm. Die Aufgabe ist die umgekehrte: die Figur durch Kontrast vom Hintergrund zu trennen. Was womit kontrastiert, hängt von der Farbe der Kulisse ab. Es folgen Arbeitsregeln der hiesigen Shootings, vom Set abgeleitet; auf den Hintergründen Pattayas halten sie stabil.

Bedeckter Himmel und ausgewaschenes Meer — ein weißer Hintergrund. Wenn der Himmel zugezogen und das Meer zu einem blassen Weißlich verblasst ist, wirkt der Hintergrund fast wie ein Blatt Papier. Darauf halten Schwarz und gesättigte reine Farben — Rot, Grün, Blau. Gelb und alle blassen Töne versinken: sie sind selbst hell und verschmelzen mit der weißlichen Kulisse.

Sonniger Himmel und Meer — ein blauer Hintergrund. An einem klaren Tag geben Himmel und Wasser eine tiefblaue Kulisse. Am besten kommen Schwarz, Weiß, Rot und Gelb heraus — Warmes trennt sich scharf und sauber vom kalten Hintergrund. Grün und Violett bleiben hängen: sie sind Nachbarn des Blaus und verschmelzen mit ihm. Ein großer Hotelpool verhält sich farblich wie das Meer — es gelten dieselben Regeln.

Grün — Freiluft und große grüne Zonen. Vor Laub gewinnen Weiß, Rot und Hellblau: Rot gibt einen direkten Kontrast zum Grün, Weiß und Hellblau trennen sich sauber. Schwarz fällt in den Schatten der Büsche, Gelb und Hellgrün verschmelzen mit dem Grün, Blau und Violett bleiben hängen. Eine große begrünte Hotelzone ist farblich dasselbe wie Freiluft-Grün.

Tempel und Sonnenuntergang — ein orangefarbener Hintergrund. Das ist eben jener Fall „Hintergrund als Licht”: man kleidet sich warm (Schwarz, Weiß, Rot, Gelb), während Blau, Hellblau und Grün wegfallen. Nach dem Farbkreis ist Blau das Gegenteil von Orange und „müsste” herausstechen, aber gegen warmes Licht hört es auf zu kontrastieren und versinkt einfach, und die Bearbeitung heilt das nicht.

Und über allem — die Palette. Eine begrenzte Palette liegt der Farbkomposition bei Itten zugrunde: ein Bild liest sich, wenn die Farben wenige sind — zwei, drei abgestimmte Töne über Mensch und Hintergrund zusammen. Mehr als vier bunte Flecken sammelt das Auge in einem Blick nicht ein — die schnelle Wahrnehmung hält etwa vier Signale auf einmal, und alles darüber zerstreut das Bild, so gut jede Farbe für sich auch sein mag. Hierher gehören auch große Prints und Logos: eine hochfrequente Textur, die mit dem Gesicht um Aufmerksamkeit ringt und auf dem Foto oft billiger aussieht als in echt. Ein Akzent wirkt, eine bunte Streuung arbeitet gegen das Bild.

Und eine eigene Anmerkung zu Gelb, das sich weiter oben auf mehreren Hintergründen hält. Von der Kulisse trennt es die Figur tatsächlich, aber unmittelbar am Gesicht ist Gelb tückisch. Es ist hell, gesättigt und fordernd: daneben wirkt die Haut matt und verliert, und der warme Reflex des Stoffs trägt dem Gesicht Gelbstich auf. Das Gesicht ist im Urlaub selten gleichmäßig im Ton — verbrannt, übernächtigt, von der Hitze ermüdet —, und Gelb an der Wange holt jeden solchen Makel hervor. Ist einem Gelb lieb, führt man es klüger nach unten oder in ein Accessoire, weg vom Gesicht.

Abend und Nacht: wohin das Rot geht

Gegen Abend schaltet sich ein weiterer Mechanismus zu, diesmal auf der Ebene der Physiologie. Im Dunkeln wechselt das Auge zum stäbchenbasierten Dämmerungssehen — das ist der Purkinje-Effekt: die Empfindlichkeit verschiebt sich in den blaugrünen Teil des Spektrums, Blau und Grün hellen auf, und Rot verblasst zuerst und versinkt im Dunkeln. Deshalb setzt sich ein tiefes Rot, Wein, Bordeaux am Abend in einen strukturlosen schwarzen Sack, während Türkis und kühles Weiß ihre Helligkeit am längsten halten. Für Bilder in Neon und Stadtlichtern gilt das doppelt: warmes Kunstlicht und Dämmerungssehen drücken gemeinsam das Rot, und auf Blaugrün zu setzen ist der zuverlässigere Weg.

Helligkeit und das „teure” Bild

Eine eigene Anmerkung zur Sättigung. Helle Kleidung liest sich auf einem Urlaubsbild „teurer” und reicher, und die Wurzeln davon reichen weit zurück: in der Antike war Farbe an Wohlstand gebunden — je reicher der Staat, desto leuchtender bemalte er seine Statuen und Bauten, und die Verbindung von gesättigter Farbe und Luxus ist in der Wahrnehmung geblieben. Nach unserer Beobachtung gilt das für ein Urlaubsbild in Pattaya: ein gesättigtes Kleid wirkt festlicher als ein blasses. Zur hiesigen Hitze passen Hochzeitskleider im Stil griechischer Tuniken am besten — leichter, fließender Stoff und eine lange Linie zugleich.

Paar und Familie: eine Sprache der Kleidung

Kleidung soll ein Paar verbinden, und sich als Paar zu kleiden lohnt sich nach Möglichkeit immer. Ein Stil für beide oder zumindest deutliche Anklänge — ein gemeinsamer Ton, eine wiederholte Farbe, eine abgestimmte Textur. Trägt er einen Business-Anzug und sie ein Strandkleid, zerfällt das Bild in zwei zufällige Menschen nebeneinander. Ein einziger gemeinsamer Faden genügt — die Farbe eines Tuchs, aufgenommen aus ihrem Kleid —, damit das Paar als Paar liest.

Für die Familie gilt dieselbe Regel. Eine ganze Familie in gleicher Kleidung sieht sehr gut aus (eine ganze Hochzeit in gleicher Kleidung noch besser): die Gruppe liest sich sofort als ein Ganzes. Gleiche Kleidung hat eine Familie meist nicht, also stimmt man wenigstens die Palette ab — drei, vier nahe Töne mit deutlichen Anklängen. Trägt einer ein Stück mit Muster, gehen die anderen einfarbig, sonst streiten die Muster miteinander und ziehen die Aufmerksamkeit von den Gesichtern.

Wie viele Looks mitnehmen

Einer oder zwei reichen. Mehr stört nur: das Umziehen stiehlt Aufnahmezeit und bringt die Stimmung aus dem Takt. Stärker wirkt der teilweise Wechsel — das Oberteil tauschen (Männer wechseln oft einfach im Gehen das T-Shirt) und darüber eine neue Mini-Location legen, eine andere Kulisse oder einen Brennweitenwechsel beim Fotografen. Heraus kommt ein fast neuer Look ohne kompletten Wechsel. Ein Paar durchdachter Outfits plus ein paar Accessoires decken meist das ganze Shooting ab.

Praxis vor dem Shooting

Der Ort diktiert den Stoff, der Körper den Ausdruck. Kleidung wirkt nicht nur aufs Bild, sondern auch auf den Menschen darin: ein enges, heißes oder klebendes Stück verkrampft, und aufgenommen wird dann nicht mehr der Stoff, sondern diese Verkrampfung — die hochgezogenen Schultern, der zurückgehaltene Blick. Am tückischsten ist das Untenherum. Enge Schuhe oder schmale Jeans drücken dort, wo sie im Bild gar nicht zu sehen sind, aber die Spannung steigt bis ins Gesicht, und im engen Porträt liest sie sich, obwohl die Beine fehlen. Ein einzelnes Bild gelingt manchmal sauber, aber über eine ganze Serie tritt die Verkrampftheit irgendwo doch hervor. Im Bequemen dagegen taut ein Mensch nach und nach auf, und das Bild wird mit ihm wärmer.

Stoff für die Hitze. Bei 32–35°C dunkelt dichte Synthetik binnen 20 Minuten vom Schweiß nach und klebt am Körper. Leinen, Baumwolle und leichte, fließende Stoffe halten den Menschen wie das Bild; die griechische Tunika ist für genau dieses Klima erdacht.

Glanz und Blitz. Das Mittagslicht in Pattaya ist trügerisch: der Kontrast zwischen Sonne und Schatten ist so hart, dass das Gesicht ohne Aufhellblitz in der Schwärze versinkt. Doch um diese Sonne zu übertönen, muss der Blitz um ein Vielfaches stärker feuern als am Abend — obwohl man den Blitz aus Gewohnheit mit Dämmerung und Dunkelheit verbindet. Und hier rächt sich reine Synthetik, besonders halbtransparente, für die Wahl „was hübscher aussieht”: der glatte Faden spiegelt das Licht direkt zurück, und fängt nur eine Falte den Impuls unter einem unglücklichen Winkel — eben dem, unter dem die Reflexion direkt ins Objektiv geht —, bleibt an der Stelle des Kleides ein flacher weißer Fleck ohne einen einzigen Faden Textur. In der Bearbeitung ist das nicht mehr zu retten: wo Stoff war, steht in der Datei reines Weiß. Matte Baumwolle und Leinen streuen denselben Impuls und brennen so nicht aus.

Durchscheinen. Weißes und Dünnes prüft man vorab — sowohl im hellen Tageslicht als auch nass: am Wasser wird alles nass, selbst wenn man genau an der Kante steht, und nasser heller Stoff wird durchsichtig. Unter weißer und heller Kleidung trägt man weiße oder zur Kleidung passende Unterwäsche — farbige scheint durch nassen Stoff durch.

Taschen. Leer. Ein häufiger Reinfall bei Männern in Weiß — Zigaretten in der Tasche laufen in der Hitze aus, und auf dem Stoff tritt ein großer dunkelorangefarbener Fleck hervor, der sich obendrein kaum auswaschen lässt.

Kopf. In der prallen Sonne hilft eine Schirmmütze — Cap oder Sonnenhut: das Gesicht geht in den Schatten, und im Bild läuft die Kopfbedeckung als Accessoire mit, mit dem man spielen kann.

Brille. Eine Sonnenbrille hält man beim Shooting als Mittel gegen das Blinzeln bereit: blendet die Sonne ins Gesicht und kneift der Mensch die Augen zusammen, rettet sie ein Bild, das sonst nicht zu machen wäre. Aber die ganze Serie und erst recht Nahaufnahmen sollte man nicht damit führen. Die Augen halten das Porträt auf sich, dunkle Gläser dagegen lesen sich kühler und distanzierter, sie löschen den lebendigen Lichtpunkt in der Pupille — eben den Funken, der den Blick lebendig erscheinen lässt — und brechen die Linie der Augen ins Bild ab. Das Blinzeln lässt sich zudem auch ohne Brille beheben: das Model von der Sonne wegdrehen, in den Schatten führen, ins Gegenlicht stellen.

Tempel in der Route. Führt auch nur ein Teil des Shootings an einem Tempel vorbei, behält man den Dresscode von Anfang an im Kopf: Schultern und Knie bedeckt, und auf die Hitze gibt es keinen Rabatt — sonst kommt man schlicht nicht hinein (ausführlich — in der Analyse der Regeln für Aufnahmen in Pattaya). Das legt man vorab in den Look hinein: ein langer Rock oder eine Hose, darüber ein Schultertuch oder Sabong, das die Schultern bedeckt und im Bild als Requisit wirkt, das man später aufgreift.

Schuhe. Auf Sand braucht man kaum Schuhe — barfuß ist sauberer in der Silhouette und ehrlicher zur Szene. Die Ausnahme sind Küstenfelsen und Steine: dort laufen Schuhe sowohl zum Halt als auch im Bild mit.

Frisur. Auf Styling setzt man nicht: am Meer hält es kein Mittel, und auch in Pattaya selbst killt die Luftfeuchtigkeit eine Frisur schnell. Natürliche Wellen, zusammengebundenes Haar, ein tiefer Dutt — verlässlicher. Die einzige Ausnahme ist ein Shooting im klimatisierten Innenraum.