
Die Frage taucht einen Tag vor dem Shooting auf, wenn längst alles gebucht ist: Ist es überhaupt legal, mit einem Fotografen an den Strand zu gehen, einen Tempel zu betreten, auf der Straße die Kamera zu zücken? In Pattaya wird an jeder Ecke fotografiert, und man könnte meinen, es gebe gar keine Regeln. Es gibt sie – nur betreffen fast alle nicht den Urlauber mit Fotograf, sondern kommerzielle Produktionen, Drohnen und ein paar heikle Themen. Für ein gewöhnliches Urlaubsshooting verläuft die Grenze ganz woanders, als man befürchtet.
Dazu kommt eine zweite Ebene, die man im Kopf behalten sollte: Je nach Ort wacht jemand anderes über die Regeln. Mal sind es das Gesetz und die Stadtverwaltung, mal die Tempeletikette und der Abt, und nachts auf der Straße ist es der Türsteher einer Bar. Die Frage „erlaubt oder nicht“ hängt deshalb nicht nur vom Buchstaben des Gesetzes ab, sondern auch davon, wer vor Ihnen steht.
Gehen wir die Orte der Reihe nach durch: was frei ist, wo eine Absprache nötig ist und was ein privates Shooting von dem unterscheidet, wofür man tatsächlich eine Genehmigung braucht.
Strand, Promenade, Straße: Fotografieren erlaubt
Die öffentlichen Strände (Jomtien, Wong Amat, der zentrale Stadtstrand), die Strandpromenade und die Straßen der Stadt sind frei zugänglicher Raum. Eine eigene Genehmigung für ein privates Shooting brauchen Sie hier nicht, und Profis arbeiten an diesen Orten jeden Tag. Eine „Fotogebühr“ oder ein städtisches Fotografierverbot gibt es in Pattaya nicht.
Ein Umstand räumt die Hälfte aller Befürchtungen aus: In Thailand ist der Strand öffentlicher Grund, der nicht privatisiert werden kann, und den Zugang zum Strand selbst darf niemand versperren (rechtlich handelt es sich um „öffentliches Staatseigentum“). Auch wenn ein Hotel den Streifen vor seinem Haus als sein Eigentum betrachtet, dort Liegen aufstellt oder Geld fürs Fotografieren verlangt: Verbieten darf es Ihnen das Fotografieren am Strand nicht – auch dann nicht, wenn Sie dort kein Gast sind.
Was das Hotel tatsächlich in der Hand hat: den Durchgang durch sein Gelände (lässt es Sie nicht durch, gehen Sie eben vom öffentlich zugänglichen Ende her an den Strand) und seine Liegen und Bauten. Seine Gebäude vom öffentlichen Raum aus zu fotografieren, verbietet kein Gesetz; das Hotel kann Sie aber nach seinen eigenen Regeln bitten, sie aus dem Bild zu lassen, und manchmal geht dafür eigens ein Mitarbeiter in einigem Abstand auf und ab. Das ist eine Hausregel des Hotels, aber auf dem Sand hat es Ihnen nichts vorzuschreiben. Davon müssen Sie sich nicht einschüchtern lassen: Ein Bild in Richtung Meer ist fast immer besser als eines in Richtung Hotel.
Eine Einschränkung gilt auch im frei zugänglichen Raum: Eine Kamera, die direkt auf eine Polizeiwache, einen Kontrollposten oder Hafenanlagen gerichtet ist, wird anders aufgefasst als eine, die auf Meer und Promenade zeigt. So etwas sollten Sie nicht im Detail aufnehmen; mehr dazu weiter unten.
Wo die Grenze verläuft: private und kommerzielle Aufnahmen
Entscheidend ist in den thailändischen Regeln nicht die Frage „Amateur oder Profi“, sondern private oder kommerzielle Nutzung. Ein Erinnerungsfoto, ein Bild fürs Familienalbum oder für die eigenen Social-Media-Profile ist private Nutzung und braucht keine Genehmigung, auch wenn ein bezahlter Profi fotografiert.
Kommerzielle Aufnahmen (Werbung, Inhalte für den Verkauf, Video fürs Streaming, eine große inszenierte Produktion) sind eine andere Kategorie. Für eine Videoproduktion beantragt man die Genehmigung beim Thailand Film Office (im Voraus, als Richtwert eine Arbeitswoche vorher); für ein großes Fotoshooting zu kommerziellen Zwecken ist eine Meldung bei der zuständigen Behörde vorgesehen. Für „Abstimmung nötig“ sprechen ganz bestimmte Merkmale: der kommerzielle Zweck der Bilder, ein Team mit Licht und Technik, versperrte Durchgänge, eine Drohne sowie die Hausregeln der Location.
Als Faustregel für die Praxis: Sind ein Paar, eine Familie oder ein Alleinreisender mit einem einzelnen Fotografen am Strand unterwegs, ist das ein privates Shooting, und es muss nichts beantragt werden. Eine Gruppe mit Lichtstativen, Reflektoren und einem Model für Werbeaufnahmen bewegt sich schon im genehmigungspflichtigen Bereich.
Sehenswürdigkeiten mit eigenen Regeln
Frei zugänglicher Raum ist das eine, ein umzäuntes Gelände das andere. Jede Location hat ihre eigenen Bedingungen, und die richten sich nicht nach den allgemeinen Regeln der Stadt.
Sanctuary of Truth (Heiligtum der Wahrheit). Das ist der Fall, in dem die allgemeine Regel „privat heißt frei“ nicht gilt: Maßgeblich sind allein die Bedingungen der Anlage. Hinein kommt man nur mit Führung, auf einer festgelegten Route und mit Bauhelm. Ein Shooting mit eigenem Fotografen und auffälliger Ausrüstung gilt hier als professionell – selbst wenn der Fotograf mit dem Handy fotografiert, selbst wenn die Bilder nur für Sie bestimmt sind – und ist ohne eine vorab eigens beantragte Genehmigung verboten (für inszenierte Shootings und Pre-Wedding lässt sich die Anlage nach individueller Absprache mieten). Der Eintritt kostet tagsüber etwa 500 Baht, zum Sonnenuntergang rund 700. Ausführlich steht das in unserem Beitrag über das Sanctuary of Truth als Location.
Tropischer Garten Nong Nooch. Auf dem gesamten Parkgelände darf frei fotografiert werden; der Eintritt liegt bei etwa 500–600 Baht, und für Pre-Wedding-Shootings ist der Ort beliebt. Zwei Ausnahmen: Für Fotos mit den Elefanten verlangen die Elefantenführer eine Extragebühr (und lassen das Tier dafür posieren und Kunststücke vorführen), und die offen ausgestellte Autosammlung der Eigentümer darf nicht fotografiert werden.
Big Buddha (Wat Phra Yai) auf dem Pratamnak-Hügel und die Tempel in der Stadt. Der Eintritt ist frei, Fotografieren ist erlaubt, Pflicht sind aber ein strenger Dresscode (Schultern und Knie bedeckt) und respektvolles Verhalten beim Fotografieren.
Hotelpool. Gästen wird ein Shooting für private Zwecke meist erlaubt, wenn sie es vorher ankündigen und andere Gäste dadurch nicht gestört werden. Dasselbe gilt in Cafés und an anderen privaten „Instagram-Spots“. Wer nicht im Hotel wohnt, muss sich eigens mit dem Management absprechen, oft gegen Gebühr.
Für alle diese Orte gilt: Eine einheitliche Preisliste für „professionelle“ Shootings oder Hochzeitsaufnahmen hängt nirgends öffentlich aus; man muss immer vorab direkt bei der Location anfragen.
Tempel und Zeremonien: Hier hat die Etikette das Sagen, nicht das Gesetz
Ein eigenes Gesetz zum Fotografieren in Tempeln gibt es in Thailand nicht; es entscheiden allein die Hausregeln des jeweiligen Tempels und die buddhistische Etikette. An den meisten Orten darf man private Fotos machen, in Hallen mit Heiligtümern ist das Fotografieren aber nicht selten strikt verboten, worauf Schilder hinweisen. In der Tempelanlage Wat Yan etwa ist es an zwei Stellen untersagt: im Inneren des weißen Haupt-Chedi mit seinem Kranz aus stilisierten Lotosknospen (mit vollem Namen Phra Borommathat Chedi Maha Chakri Phiphat) und in der Kapelle Phra Mondop. Beide sind besonders verehrte Orte: Im Chedi werden Reliquien Buddhas aufbewahrt, in der Kapelle eine Nachbildung seiner Fußabdrücke.
Eine Zeremonie zu fotografieren ist eine Sache für sich. Eine Hochzeitszeremonie oder ein religiöses Ritual spricht man vorab mit dem Abt ab; einfach mit der Kamera aufzutauchen funktioniert hier nicht. Üblich ist eine Spende: an den Tempel, und zwar über dessen Laden (als Richtwert ab 200 Baht), und an die Mönche, die die Zeremonie leiten (meist sind es 5–9, jeder erhält ab 20 Baht: Das ist der kleinste Schein, Münzen gibt man nicht, mehr ist freiwillig). Die Spende gehört zur Zeremonie selbst, und es wäre falsch, sie als Preis fürs Fotografieren zu verstehen.
Dazu kommt ein ungeschriebener Teil, der in keinem Regelwerk steht. Wer diese Regeln kennt und achtet, dem öffnen sich mehr Türen: Einen Fotografen, den man im Tempel kennt und der dort selbst an Zeremonien teilnimmt, lässt man womöglich dorthin, wohin ein Fremder nicht kommt – bis aufs Podest zu den Mönchen und bis unmittelbar an die Buddhastatue, um von dort zu fotografieren. Diese Türen öffnen der Ruf und die Verwurzelung am Ort; eine teure Kamera allein zählt hier nichts.
Kann ein ausländischer Fotograf legal arbeiten?
Über diesen Teil wird selten offen gesprochen, und für ein Verzeichnis ist Ehrlichkeit hier Prinzip. Ein Ausländer kann in Thailand legal als Fotograf arbeiten: Dazu braucht er eine Arbeitserlaubnis (Work Permit) mit dem entsprechenden Eintrag und ein passendes Visum. Illegal ist etwas anderes, nämlich bezahlte Shootings mit Touristenvisum oder ganz ohne Arbeitserlaubnis; dafür drohen Abschiebung und Einreiseverbot.
Wichtig ist die Abgrenzung: Wenn ein Freund oder Verwandter Sie kostenlos fotografiert, ist das keine „Arbeit“. Es geht um bezahlte Tätigkeit ohne die nötigen Papiere.
Für Kunden ist das vor allem ein Zeichen von Verlässlichkeit. Bei einem Fotografen mit ordentlichen Papieren ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er nicht einfach abtaucht, die Bilder liefert und auch in der nächsten Saison noch erreichbar ist. Deshalb zeigen wir im Verzeichnis nicht nur ein hübsches Portfolio, sondern auch die öffentlich sichtbaren Spuren des Berufslebens: den echten Namen, eine eigene Website, die Jahre auf einer Fachplattform.
Drohnen: ein eigenes, strenges Kapitel
Nichts ist beim Fotografieren in Thailand so stark reguliert wie die Drohne. Das Gerät muss doppelt registriert werden: bei der NBTC (Eigentümer und Funkfrequenz) und bei der CAAT (die Drohne als Luftfahrzeug sowie ihr Pilot) – selbst wenn Sie kein einziges Mal abheben. Seit 2025 verlangt die CAAT außerdem einen Online-Test zu den Regeln, den man mit der nötigen Punktzahl bestehen muss, und für das Gerät ist eine Haftpflichtversicherung über etwa eine Million Baht vorgeschrieben.
Geflogen werden darf nur tagsüber und in direkter Sichtweite, und für jeden Flug muss im Voraus (mindestens 3 Tage) über das CAAT-Portal ein Flugplan eingereicht werden. Verboten sind Flüge im Umkreis von etwa 9 km um Flughäfen – für Pattaya ist das wegen des nahen U-Tapao entscheidend. Die Mindestabstände sind streng: 30 Meter zu Menschen, Fahrzeugen und Gebäuden (bei leichten Drohnen; bei schweren 50), die maximale Flughöhe beträgt 90 Meter; über Menschenmengen, bebautem Stadtgebiet sowie über militärischen, sicherheitsrelevanten und religiösen Anlagen ist das Fliegen strikt verboten. Die Strafen sind empfindlich: eine Geldstrafe und bis zu einem Jahr Haft bei Verstößen gegen die Flugregeln, bis zu 100 000 Baht und bis zu 5 Jahren Haft für eine Drohne, die nicht bei der NBTC registriert ist; im August 2025 wurde ein Fotograf wegen einer Drohne über der Walking Street festgenommen.
In der Praxis heißt das schlicht: Wirklich Schönes lässt sich mit einer Drohne in Pattaya nicht aufnehmen, höchstens eine sehr weite Totale der Stadt oder eines Viertels. Und das liegt nicht nur am Gesetz: Eine Drohne hat fast immer ein Weitwinkelobjektiv, sodass ein Mensch selbst aus dem erlaubten Mindestabstand von 30 Metern nur etwa 5 % der Bildhöhe einnimmt. Für ein Porträt ist das nichts: Die Drohne taugt für die Totale, nicht für Menschen. Hinzu kommt, dass über Pattaya immer wieder vorübergehende Flugverbote aus Sicherheitsgründen verhängt werden; prüfen Sie deshalb direkt vor dem Shooting, ob gerade eines gilt. Wenn Ihnen Luftaufnahmen wirklich wichtig sind, besprechen Sie das frühzeitig mit dem Fotografen, einschließlich seiner Registrierung und seiner Kenntnis der Flugzonen, statt nach dem Motto „Nehmen wir die Drohne für alle Fälle mit“ zu verfahren.
Was nicht fotografiert werden darf
Bei einigen Themen geht es in Thailand um ein echtes Risiko, nicht um Höflichkeit.
König und Königsfamilie. Das Gesetz gegen Majestätsbeleidigung (§ 112) sieht 3 bis 15 Jahre Haft je Tat vor; für die Verbreitung von Inhalten, die als respektlos gewertet wurden, sind in den letzten Jahren äußerst harte Urteile ergangen. Das ist keine Formalie, das ist Strafrecht.
Militärische und sicherheitsrelevante Anlagen. Stützpunkte, Kontrollposten und alles mit dem Schild „Fotografieren verboten“ fotografieren wir nicht. Und darüber hinaus: Auch an einem ganz gewöhnlichen öffentlichen Ort verzichtet man besser auf Detailaufnahmen von Polizei, Hafen- und Verkehrsanlagen, denn sie könnten als Gefahr für die Sicherheit gewertet werden. Ein beiläufiges Stadtfoto wirft keine Fragen auf; Ärger gibt es erst, wenn eine sicherheitsrelevante Anlage gezielt und im Detail fotografiert wird.
Ein Bild, das einen Menschen herabwürdigt. Ein eigenes „Fotogesetz“ dagegen gibt es nicht, ein solches Bild fällt aber unter die Paragrafen zu Verleumdung und Beleidigung. Die sind in Thailand streng und anders aufgebaut, als man es gewohnt ist: Dass die Aufnahme der Wahrheit entspricht und durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt ist, muss derjenige beweisen, der fotografiert hat – die Beweislast liegt hier beim Urheber des Bildes. Ein spöttisches oder kompromittierendes Bild eines Fremden schützt hier keine „Freiheit der Straße“.
Menschen im Bild. Seit 2022 gilt in Thailand ein Datenschutzgesetz, um zufällige Passanten geht es darin aber nicht. Ein Passant darf ohne Einwilligung ins Bild geraten, wenn im öffentlichen Raum fotografiert wird und er nicht das eigentliche Motiv ist. Eine Einwilligung ist nötig, wenn eine bestimmte Person im Mittelpunkt der Aufnahmen steht oder wenn das Bild kommerziell genutzt wird.
Walking Street und Bars: kein Verbot, wohl aber Ärger
Ein förmliches Verbot, die Lokale an der Walking Street zu fotografieren, gibt es nicht. Die Bars mögen aber keine Bilder von ihren Tänzerinnen, Eingängen und Schildern, denn unnötige Aufmerksamkeit dafür, wie sie arbeiten, können sie nicht gebrauchen. Die Stimmung auf der Straße können Sie ohne Weiteres einfangen; wer aber das Objektiv direkt auf einen bestimmten Eingang oder auf die Mädchen richtet, handelt sich ein Gespräch mit dem Sicherheitspersonal oder mit angetrunkenen Gästen ein. Das Sagen hat hier weder die Polizei noch das Gesetz, sondern der Türsteher am Eingang, und ein Streit mit ihm kommt Sie teuer zu stehen.
Was das für Ihr Shooting bedeutet
Wenn Sie – als Paar, mit der Familie oder allein – ein gewöhnliches Urlaubsshooting am Strand, auf der Straße oder in dem Hotel planen, in dem Sie wohnen, müssen Sie nichts beantragen. Wer in Pattaya für private Zwecke fotografiert, hat viel Freiheit.
Genehmigungen und Absprachen werden nötig, sobald einer der folgenden Punkte ins Spiel kommt: ein umzäuntes fremdes Gelände, eine bestimmte Sehenswürdigkeit mit eigenen Regeln, eine Tempelzeremonie, ein kommerzieller Zweck der Bilder, eine Drohne oder ein heikles Thema. Für jeden dieser Punkte gibt es jemanden, den Sie fragen können: die Location, den Abt oder den Fotografen.
Gut zu wissen ist auch die Kehrseite: Auf dem Papier stehen mehr Regeln, als in der Praxis durchgesetzt werden. Wirklich eingeschritten wird, wenn es um Kinder geht, um die Würde eines Menschen oder um kommerziellen Gewinn ohne die nötigen Papiere; darauf sollten Sie zuerst achten. Und bei kommerziellen Aufnahmen ist die Rechnung einfach: Ein einziger Skandal in den sozialen Netzwerken schadet dem Ruf mehr, als jede Gebühr kostet, deshalb ist es billiger, die Formalitäten zu erledigen, als sich hinterher reinzuwaschen.
Und zum Schluss: Fragen Sie den Fotografen, ob er legal arbeitet und ob es eine Absprache mit der Location gibt, wenn Sie auf umzäuntem Gelände, in einem Tempel oder in einem fremden Hotel fotografieren. Ein guter Fotograf antwortet darauf ruhig und genau. Eine ausweichende Antwort ist auch schon eine Auskunft.